ETERNIA – The Adventures Continue
Prolog
Manche Toylines schreiben Geschichte.
Andere verschwinden aus ihr.
Wer sich intensiv mit den Masters of the Universe beschäftigt, stößt früher oder später auf Namen wie Wonder Bread He-Man, Laser Power He-Man oder die argentinischen Top Toys-Figuren. Diese Veröffentlichungen sind gut dokumentiert, ihre Geschichte wurde über Jahrzehnte erforscht und ihre Seltenheit ist unter Sammlern legendär.
Doch es gibt eine Toyline, die selbst erfahrene MOTU-Sammler oft nur vom Hörensagen kennen.
ETERNIA – The Adventures Continue.
Eine Figurenreihe, die nie offiziell erscheinen durfte. Eine Toyline, von der nahezu die gesamte Produktion vernichtet worden sein soll. Ein Projekt, über das über viele Jahre kaum jemand sprach. Und eine Geschichte, die sich heute nur noch aus wenigen erhaltenen Figuren, historischen Screenshots, zeitgenössischen Berichten und den Erinnerungen der Beteiligten rekonstruieren lässt.
Genau darum geht es in diesem Artikel.
Er möchte keine Legenden weitererzählen und erhebt auch nicht den Anspruch, jedes Detail zweifelsfrei klären zu können. Stattdessen versucht er, die Geschichte eines außergewöhnlichen Fanprojekts anhand der heute noch verfügbaren Informationen möglichst vollständig nachzuzeichnen.
Manches lässt sich eindeutig belegen. Anderes kann nur aus den Erinnerungen der damaligen Beteiligten rekonstruiert werden. Wo dies der Fall ist, wird es entsprechend kenntlich gemacht.
Fast zwanzig Jahre nach den Ereignissen ist ETERNIA – The Adventures Continue längst mehr als nur eine seltene Actionfigurenserie. Sie ist ein Stück nahezu vergessener MOTU-Geschichte.
Kapitel 1
Eine Zeit, in der die Abenteuer zu Ende schienen
Um zu verstehen, warum ETERNIA – The Adventures Continue überhaupt entstehen konnte, muss man sich in die Mitte der 2000er Jahre zurückversetzen.
Für Fans der Masters of the Universe war es keine einfache Zeit.
Die ursprüngliche Vintage-Reihe war bereits seit fast zwanzig Jahren Geschichte. Der ambitionierte Neustart der 2002er-Serie hatte die Marke zwar noch einmal ins Rampenlicht gebracht, doch auch dieses Kapitel war schneller beendet, als viele gehofft hatten. Neue Figuren erschienen nicht mehr, eine Fortsetzung war nicht in Sicht und von den späteren Masters of the Universe Classics ahnte noch niemand etwas.
In den Foren und Fan-Communities machte sich Ernüchterung breit.
Viele Sammler hatten den Eindruck, dass Mattel mit He-Man abgeschlossen hatte.
Während sich die meisten Hersteller längst anderen Marken widmeten, hielten vor allem engagierte Fans das Universum von Eternia am Leben. Im Internet entstanden Datenbanken, Fanseiten und Foren, in denen über Prototypen, nie erschienene Figuren und alternative Konzepte diskutiert wurde.
PlanetEternia entwickelte sich dabei im deutschsprachigen Raum zu einer der wichtigsten Anlaufstellen, während sich international Sammler auf Plattformen in den USA, Frankreich und Großbritannien austauschten.
Mit jeder neu entdeckten Prototypenfigur entstand dieselbe Frage:
Wie hätte die Vintage-Reihe ausgesehen, wenn Mattel sie nie eingestellt hätte?
Diese Frage war keineswegs neu. Schon seit Jahren entwarfen Fans eigene Charaktere oder zeichneten Verpackungsillustrationen im Stil der achtziger Jahre. Doch all diese Projekte hatten eines gemeinsam: Sie blieben Einzelstücke.
Niemand dachte ernsthaft daran, daraus eine echte Toyline entstehen zu lassen. Bis sich dies änderte.
Nach der Rekonstruktion der damaligen Ereignisse entstand in der amerikanischen Sammlerszene die Idee, die Vintage-Linie nicht nur gedanklich fortzuführen, sondern tatsächlich neue Figuren produzieren zu lassen. Nicht als Custom-Arbeiten, sondern als professionell gefertigte Actionfiguren mit Blisterkarte, Zubehör und eigener Hintergrundgeschichte.
Es war ein ebenso kühner wie riskanter Plan. Denn allen Beteiligten war bewusst, dass sie sich auf rechtlich unsicherem Terrain bewegten. Trotzdem begann ein Projekt, das schon bald den Namen ETERNIA – The Adventures Continue tragen sollte.
Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass diese Toyline später nicht wegen ihrer veröffentlichten Figuren berühmt werden würde.
Sondern wegen ihres plötzlichen Verschwindens.
Kapitel 2
Die Vision hinter ETERNIA – Der Traum einer verlorenen Fortsetzung
Eine der größten Herausforderungen bei der Rekonstruktion von ETERNIA – The Adventures Continue ist, dass die Entstehungsgeschichte heute nicht durch offizielle Dokumente eines Herstellers nachvollzogen werden kann.
Es gab kein Mattel-Archiv, keine Pressemitteilung, keine offizielle Produktankündigung und auch keinen Katalogeintrag.
Was geblieben ist, sind die Spuren eines Projekts, das eigentlich nie die Öffentlichkeit erreichen sollte: Erinnerungen, erhaltene Prototypen, historische Screenshots und die Berichte derjenigen, die damals direkt oder indirekt daran beteiligt waren.
Nach diesen Rekonstruktionen begann die Geschichte mit einem amerikanischen Masters-of-the-Universe-Sammler, der über die finanziellen Möglichkeiten verfügte, aus einer Idee ein reales Produktionsprojekt zu machen. Seine Motivation scheint dabei weniger wirtschaftlicher Natur gewesen zu sein als von Leidenschaft geprägt.
Die Vintage-Reihe hatte für viele Sammler eine besondere Bedeutung. Sie war nicht nur eine Sammlung von Actionfiguren, sondern eine komplette Welt aus Charakteren, Fahrzeugen, Burgen, Comics und Geschichten. Genau dieses Gefühl sollte zurückgebracht werden.
Die Idee war nicht, einzelne Figuren herzustellen, die lediglich wie alte MOTU-Figuren aussahen.
Das Ziel war ambitionierter:
- Eine neue Toyline, die so wirkte, als wäre sie eine direkte Fortsetzung der klassischen Masters-of-the-Universe-Reihe.
- Eine Welt, in der die Abenteuer auf Eternia niemals aufgehört hatten.
Kapitel 3
Musashi Toys – Der Weg von der Idee zur Produktion
Eine Vision allein reicht jedoch nicht aus, um eine Actionfigurenreihe entstehen zu lassen.
Zwischen einer Idee und einer fertigen Figur liegen zahlreiche Schritte:
Design, Sculpting, Werkzeugbau, Produktion, Verpackung, Qualitätskontrolle und Logistik.
Genau an diesem Punkt kam Musashi Toys ins Spiel.
Nach den vorliegenden Informationen übernahm Musashi die Verbindung zwischen dem Fanprojekt und der eigentlichen Herstellung. Das Unternehmen verfügte über die notwendigen Kontakte und Möglichkeiten, eine Produktion in einer professionellen Fabrikumgebung umzusetzen.
Damit verließ ETERNIA die Ebene eines reinen Fanprojekts.
Aus Zeichnungen und Konzepten wurden reale Figuren. Dieser Schritt war entscheidend.
Viele Fans hatten bereits eigene Charaktere entworfen. Manche hatten einzelne Custom-Figuren gebaut. Doch nur sehr wenige Projekte wagten den Schritt, tatsächlich eine komplette Actionfigurenserie herstellen zu lassen.
Genau hier lag die Besonderheit von ETERNIA.
Die Beteiligten wollten nicht einfach beweisen, dass Fans kreativ sein konnten. Sie wollten beweisen, dass Fans eine komplette Toyline erschaffen konnten.
Kapitel 4
Das Vintage-Prinzip: Eine neue Generation aus alten Ideen
Wer die frühen Masters-of-the-Universe-Figuren kennt, weiß, dass Mattel in den 1980er Jahren nicht jede Figur völlig neu entwickelte. Das Erfolgsgeheimnis der Reihe lag auch in der effizienten Nutzung vorhandener Bauteile. Ein Grundkörper konnte mit einem neuen Kopf, einer anderen Rüstung, einer neuen Waffe oder einer veränderten Farbgestaltung zu einer völlig neuen Figur werden.
Genau dieses Prinzip sollte auch bei ETERNIA verwendet werden.
Die geplante Reihe orientierte sich nicht an modernen Actionfiguren mit komplizierter Artikulation oder völlig neuen Designs. Sie wollte bewusst das Gefühl der Vintage-Ära zurückbringen.
Die frühen Prototypen zeigen diesen Ansatz deutlich. Bestehende Vintage-Teile wurden mit neu entwickelten Komponenten kombiniert:
- neue Köpfe,
- neue Waffen,
- neue Rüstungsteile,
- neue Zubehörteile.
Aus einem bekannten Grundkonzept sollte etwas Neues entstehen.
Damit folgte ETERNIA nicht nur optisch dem Vorbild von Mattel. Die gesamte Philosophie der Toyline war an die Produktionsweise der achtziger Jahre angelehnt.
Es ging nicht darum, die Vergangenheit zu kopieren. Es ging darum, eine mögliche Zukunft dieser Vergangenheit zu erschaffen.
Kapitel 5
Eine echte Toyline braucht eine Geschichte
Ein wesentlicher Unterschied zwischen ETERNIA und vielen anderen Fanprojekten war der Anspruch, nicht nur Figuren zu produzieren. Die klassischen Masters of the Universe waren immer mehr als Plastikfiguren. Die Charaktere erhielten Namen. Sie bekamen Hintergründe. Sie wurden durch Comics und Zeichentrickgeschichten zu einem zusammenhängenden Universum.
Auch ETERNIA sollte diesem Vorbild folgen.
Die neuen Figuren sollten nicht einfach namenlose Krieger sein, sondern Teil einer eigenen Erzählung.
Dieser Anspruch zeigt sich besonders deutlich durch den einzigen bekannten Mini-Comic der Reihe:
„Fakors Reprogramming“
Der Comic erzählt die Geschichte eines Doppelgängers, der von einem Waffenschmied neu programmiert wird – mit unerwarteten Folgen.
Allein die Existenz dieses Comics zeigt, wie weit die Planung bereits fortgeschritten war.
ETERNIA war nicht als lose Sammlung einzelner Figuren gedacht.
Es gab eine Geschichte.
Es gab Charakterkonzepte.
Es gab eine geplante Zukunft für Eternia.
Der Comic war damit ein Blick in eine Welt, die niemals vollständig entstehen durfte.
Gerade dieser Punkt macht die Reihe heute so interessant.
Denn er zeigt nicht nur, was veröffentlicht wurde.
Er zeigt, was hätte kommen sollen.
Kapitel 6
Die Produktion nimmt Gestalt an
Aus einer Idee war inzwischen ein konkretes Projekt geworden.
ETERNIA – The Adventures Continue war nicht mehr nur ein Gedanke innerhalb der Sammlerszene.
Aus Konzepten, Entwürfen und Prototypen entstand eine tatsächliche Produktionsreihe. Genau dieser Schritt unterscheidet ETERNIA von vielen anderen Fanprojekten. Viele Sammler haben im Laufe der Jahre eigene Figuren entworfen oder bestehende Figuren verändert. Doch nur wenige Projekte wagten den Übergang von der privaten Leidenschaft zur professionell geplanten Kleinserie.
ETERNIA sollte eine echte Toyline werden. Mit eigenen Figuren, mit Verpackungen, mit Zubehör, mit einer Hintergrundgeschichte und mit einer langfristigen Planung.
Der Anspruch orientierte sich dabei bewusst an der klassischen Vintage-Ära.
Die Verantwortlichen wollten keine moderne Interpretation von Masters of the Universe schaffen. Sie wollten das Gefühl der achtziger Jahre wiederbeleben – eine Zeit, in der eine neue Figur nicht nur ein Spielzeug war, sondern ein Teil einer größeren Fantasiewelt.
Die Fertigung
Die Produktion erfolgte nach den damaligen Informationen in Vietnam.
Damit bewegte sich das Projekt auf einer völlig anderen Ebene als typische Fanarbeiten. Es ging nicht mehr darum, einzelne Customs in Handarbeit herzustellen. Die Figuren sollten aus einer professionellen Fertigung stammen.
Dieser Anspruch brachte allerdings auch erhebliche Herausforderungen mit sich. Eine Actionfigur in einer Fabrik produzieren zu lassen bedeutet weit mehr als nur einen Charakter zu entwerfen.
Notwendig sind:
- technische Zeichnungen,
- Prototypen,
- Werkzeuge und Formen,
- Materialauswahl,
- Farbtests,
- Qualitätskontrolle,
- Verpackungsdesign,
- Logistik.
Jeder einzelne Schritt musste organisiert und finanziert werden.
Dass ETERNIA diese Phase überhaupt erreichte, zeigt, wie ernsthaft das Projekt geplant war.
Kapitel 7
Ein Vertrieb, der niemals vollständig begann
Die Planung sah keinen klassischen Einzelhandel vor. ETERNIA war von Anfang an als exklusive Sammlerreihe gedacht.
Die Zielgruppe waren nicht Kinder, sondern erwachsene MOTU-Fans, die bereit waren, für eine limitierte Fortsetzung der Vintage-Ära zu bezahlen.
Der Vertrieb sollte über wenige ausgewählte Händler erfolgen.
Nach den heutigen Rekonstruktionen waren insgesamt vier Händler beziehungsweise Vertriebsstellen vorgesehen:
- ein deutscher Händler,
- der französische Händler Lulu Berlu,
- zwei Händler aus den USA.
Diese Aufteilung sollte eine internationale Verfügbarkeit ermöglichen, ohne die Kontrolle über das Projekt aus der Hand zu geben.
Die Rolle von PlanetEternia bestand vor allem in der Präsentation und Berichterstattung innerhalb der deutschsprachigen Fangemeinde.
Die Seite war eine der wichtigsten Plattformen, um die geplante Reihe vorzustellen und Interesse unter Sammlern zu erzeugen.
Kapitel 8
Die ersten Bilder und die Aufmerksamkeit der Fans
Als ETERNIA erstmals in der Öffentlichkeit auftauchte, sorgte das Projekt innerhalb der MOTU-Szene für Aufsehen. Für viele Sammler war es ein außergewöhnlicher Moment.
Nach Jahren ohne offizielle Vintage-Fortsetzung schien plötzlich jemand genau das umzusetzen, worüber Fans seit langer Zeit diskutiert hatten.
Eine neue Reihe im Stil der klassischen Figuren, neue Charaktere, neue Geschichten und damit eine mögliche Zukunft für Eternia.
Die Reaktionen waren entsprechend gemischt. Viele Fans waren begeistert und sahen in ETERNIA eine einmalige Chance. Andere waren vorsichtiger und fragten nach der rechtlichen Grundlage und der tatsächlichen Qualität der Produktion.
Diese Diskussionen waren typisch für die damalige Zeit. Denn ETERNIA bewegte sich in einem Bereich, den es heute in dieser Form kaum noch gibt:
zwischen Fanprojekt, Sammlerprodukt und professioneller Toyline.
Kapitel 9
Der Mini-Comic – Der Blick in eine geplante Zukunft
Ein entscheidendes Detail zeigt, wie weit die Planung von ETERNIA bereits fortgeschritten war:
Es existierte ein eigener Mini-Comic.
Der Titel:
„Fakors Reprogramming“
Der Comic wird heute als der einzige bekannte Mini-Comic der kurzlebigen, nicht lizenzierten ETERNIA-Reihe von Musashi Toys geführt.
Die Geschichte handelt von einem Doppelgänger, der von einem Waffenschmied neu programmiert wird – mit unerwarteten Folgen.
Damit folgte ETERNIA einem der wichtigsten Prinzipien der klassischen Masters-of-the-Universe-Reihe.
Die Figuren sollten nicht allein stehen, sie sollten Teil einer Geschichte sein.
Bereits die Vintage-Reihe hatte gezeigt, welche Bedeutung Comics für den Erfolg einer Toyline haben konnten. Sie gaben den Figuren Charakter, erklärten ihre Rollen und erweiterten die Fantasiewelt.
Der Comic ist heute eines der wichtigsten erhaltenen Zeugnisse dafür, wie umfangreich die ursprünglichen Pläne tatsächlich waren.
Kapitel 10
Der entscheidende Fehler
Trotz aller Vorbereitung gab es einen Punkt, der letztendlich das gesamte Projekt gefährdete:
Die rechtliche Grundlage.
Nach den Erinnerungen und Rekonstruktionen aus der damaligen Sammlerszene lag das zentrale Problem darin, dass die notwendigen Rechte an Namen, Charakteren und Konzepten nicht ausreichend abgesichert waren. Dabei spielte eine entscheidende Rolle, dass sich die rechtliche Situation rund um einige ältere Masters-of-the-Universe-Begriffe verändert hatte.
Was zunächst wie eine Möglichkeit erschien, eine neue Fan-Toyline aufzubauen, wurde dadurch zu einem erheblichen Risiko.
Solange das Projekt klein und innerhalb der Sammlerszene blieb, schien es unbeachtet. Doch mit der öffentlichen Präsentation und der geplanten Veröffentlichung änderte sich die Situation.
ETERNIA war nicht länger nur eine Idee.
Es war ein reales Produkt.
Und damit wurde es sichtbar.
Genau an diesem Punkt sollte die Geschichte eine dramatische Wendung nehmen.
Kapitel 11
Mattel wird aufmerksam – Das Ende einer Toyline vor ihrem eigentlichen Start
Bis zu diesem Zeitpunkt schien ETERNIA – The Adventures Continue auf dem Weg zu sein, genau das zu werden, was sich die Verantwortlichen vorgestellt hatten. Eine kleine, aber professionelle Fortsetzung der klassischen Masters-of-the-Universe-Ära.
Die Produktion war angelaufen, erste Figuren existierten.
Die Sammlerszene hatte begonnen, sich dafür zu interessieren.
Doch genau dieser Schritt in die Öffentlichkeit sollte zum Wendepunkt werden.
Mit der öffentlichen Vorstellung änderte sich das.
Die geplante Toyline erhielt Aufmerksamkeit. Und damit wurde auch der Rechteinhaber aufmerksam.
Kapitel 12
Wie Mattel von ETERNIA erfuhr
Bis heute lässt sich nicht mehr eindeutig nachvollziehen, wie Mattel genau auf das Projekt aufmerksam wurde. Eine offiziell dokumentierte Darstellung des Vorgangs existiert nicht.
Innerhalb der Sammlerszene hielt sich jedoch seit die Vermutung, dass die Veröffentlichung der Informationen auf PlanetEternia eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte.
Die damalige Berichterstattung machte ETERNIA erstmals einer größeren deutschsprachigen MOTU-Gemeinschaft bekannt. Dabei war PlanetEternia nicht der Hersteller und auch nicht der Vertrieb.
Die Seite hatte lediglich über das Projekt berichtet und damit Informationen verbreitet, die zuvor nur einem kleinen Kreis bekannt waren.
Nach der Rekonstruktion der Ereignisse soll anschließend jemand die Informationen an Mattel Deutschland weitergeleitet haben.
Ob dies tatsächlich der Auslöser war oder ob Mattel auf anderem Weg von der Reihe erfuhr, lässt sich heute nicht mehr mit letzter Sicherheit feststellen.
Sicher ist jedoch: Kurz danach endete das Projekt abrupt.
Kapitel 13
Das Anwaltsschreiben
Die Reaktion von Mattel erfolgte nicht in Form einer öffentlichen Stellungnahme.
Sie erfolgte juristisch.
Nach den Erinnerungen der Beteiligten erhielt der deutsche Händler ein umfangreiches Anwaltsschreiben (man hört von über 400 Seiten). Die genaue Länge und der vollständige Inhalt dieses Schreibens sind heute nicht öffentlich dokumentiert.
Überliefert ist jedoch, dass es sich um ein umfangreiches rechtliches Vorgehen handelte, das den sofortigen Stopp des Projekts verlangte.
Der Kern der Problematik:
ETERNIA verwendete Elemente, die unmittelbar mit der Masters-of-the-Universe-Marke verbunden waren.
Namen, Charakterkonzepte, das Erscheinungsbild und die Verbindung zur etablierten MOTU-Welt.
Aus Sicht von Mattel war damit eine Grenze überschritten. Für die Beteiligten bedeutete dieses Schreiben das Ende ihrer Pläne.
Eine Toyline, die jahrelang vorbereitet worden war, stand praktisch über Nacht vor dem Aus.
Kapitel 14
Der Rückruf
Besonders betroffen war der deutsche Händler.
Nach der Rekonstruktion der Ereignisse war Deutschland der einzige Markt, in dem bereits Figuren angekommen waren.
Dabei handelte es sich nach den vorliegenden Informationen zunächst ausschließlich um den weißen Hordesman.
Weitere internationale Auslieferungen kamen nicht mehr zustande.
Die für Lulu Berlu in Frankreich und die beiden amerikanischen Händler vorgesehenen Lieferungen wurden offenbar nicht mehr durchgeführt.
Die wenigen bereits ausgelieferten Figuren mussten zurückgefordert werden.
Sammler, die eine Figur erhalten hatten, sollten diese wieder zurückgeben.
Kapitel 15
Die Vernichtung der Produktion
Der wohl dramatischste Teil der Geschichte ist das Schicksal der bereits produzierten Figuren.
Nach den Erinnerungen aus der Sammlerszene wurde ein Großteil der Produktion nach dem Einschreiten Mattels vernichtet.
Damit verschwand nicht nur eine geplante Veröffentlichung.
Es verschwand eine komplette Zukunft der Toyline, Figuren, die nie in Sammlerregale gelangten, Verpackungen, die nie regulär verkauft wurden, Zubehör, das nie offiziell gezeigt werden sollte.
Eine gesamte geplante Reihe wurde innerhalb kürzester Zeit ausgelöscht.
Gerade dieser Umstand macht ETERNIA heute so außergewöhnlich.
Bei den meisten seltenen Actionfiguren wissen Sammler:
Wie viele wurden produziert? Wo wurden sie verkauft? Warum sind sie selten?
Bei ETERNIA beginnt die Suche bereits viel früher.
Wie viele haben überhaupt überlebt?
Kapitel 16
Warum einige Figuren trotzdem existieren
Trotz der Vernichtung verschwanden nicht alle Exemplare. Einige wenige Figuren schafften es offenbar, die Produktion zu verlassen.
Wie genau dies geschah, lässt sich heute kaum noch nachvollziehen.
Mögliche Wege waren:
- Exemplare, die bereits vor dem Produktionsstopp außerhalb der offiziellen Vertriebswege gelangten,
- Musterfiguren aus der Entwicklung,
- Produktionsüberschüsse,
- Stücke, die von Beteiligten oder Fabrikmitarbeitern zurückgehalten wurden.
Was feststeht:
Es existieren heute einzelne Exemplare.
Und genau diese wenigen Überlebenden sind der Grund dafür, dass ETERNIA nicht vollständig vergessen wurde.
Jede auftauchende Figur erzählt praktisch die Geschichte eines Projekts, das eigentlich nicht mehr existieren sollte.
Kapitel 17
Das Schweigen danach
Nach dem Ende der Produktion begann die zweite, ungewöhnliche Phase der Geschichte:
Das Schweigen.
Der deutsche Händler wollte nach den Ereignissen nicht mehr mit dem Projekt verbunden werden.
Nach den Erinnerungen der Beteiligten bat er PlanetEternia darum, sämtliche Beiträge über ETERNIA zu entfernen und auch zukünftige Berichte zu vermeiden.
Damit verschwanden die wichtigsten öffentlichen Spuren.
Für viele Jahre blieb die Reihe ein Gerücht.
Einige Sammler wussten, dass es sie gegeben hatte.
Andere hielten die wenigen auftauchenden Bilder für eine Kuriosität.
Erst später begann die erneute Rekonstruktion durch alte Screenshots, durch Diskussionen, durch erhaltene Figuren und durch die Erinnerungen derjenigen, die damals näher am Projekt waren.
Ausgerechnet der Versuch, ETERNIA verschwinden zu lassen, machte die Toyline zu einem Mythos.
Kapitel 18
Die Überlebenden – Die seltensten Zeugnisse einer verlorenen Toyline
Eine der faszinierendsten Fragen rund um ETERNIA – The Adventures Continue lautet:
Wie viele Figuren existieren heute überhaupt noch?
Eine genaue Antwort gibt es nicht.
Gerade diese Unsicherheit macht die Reihe zu einer der geheimnisvollsten Veröffentlichungen im Umfeld der Masters-of-the-Universe-Sammlerszene.
Mehrere Faktoren haben dazu geführt, dass die heute bekannten Exemplare extrem selten sind.
Zum einen war die geplante Auflage von Beginn an klein und zum anderen wurde ein großer Teil der Produktion nach dem Stopp des Projekts vernichtet.
Und schließlich gelangten nur wenige Figuren überhaupt in die Hände von Sammlern.
Dadurch entstand eine ungewöhnliche Situation:
Die Seltenheit der Reihe war nicht geplant.
Sie war die direkte Folge ihres Scheiterns.
Kapitel 19
Eine Toyline ohne reguläre Veröffentlichung
Viele seltene Actionfiguren werden deshalb begehrt, weil sie nur in bestimmten Ländern erschienen, schnell ausverkauft waren oder am Ende einer Produktionsreihe standen.
ETERNIA ist anders.
Die Figuren wurden nicht selten, weil die Nachfrage größer war als das Angebot.
Sie wurden selten, weil das Angebot praktisch ausgelöscht wurde.
Das macht die Reihe aus Sammlersicht besonders interessant.
Eine normale seltene Figur erzählt die Geschichte einer erfolgreichen Veröffentlichung.
ETERNIA erzählt die Geschichte einer Veröffentlichung, die nie stattfinden durfte.
Jedes erhaltene Exemplar ist damit nicht nur ein Sammlerstück.
Es ist ein Beleg dafür, dass dieses Projekt tatsächlich existierte.
Kapitel 20
Die Bedeutung von ETERNIA für die Fan-Szene
Rückblickend war ETERNIA – The Adventures Continue seiner Zeit weit voraus.
Heute sind unabhängige Toylines, Crowdfunding-Projekte und von Fans finanzierte Figuren keine außergewöhnliche Erscheinung mehr.
Mitte der 2000er Jahre war dies jedoch noch eine völlig andere Situation.
Ein Fanprojekt mit professioneller Produktion, eigener Verpackung, eigener Geschichte und internationalem Vertrieb war eine absolute Ausnahme.
ETERNIA zeigte, welches Potenzial innerhalb der Sammlergemeinschaft vorhanden war.
Kapitel 21
Was bleibt von ETERNIA – The Adventures Continue?
Heute, fast zwei Jahrzehnte später, existiert die Toyline hauptsächlich durch Erinnerungen.
Einige wenige Figuren, ein Mini-Comic, alte Screenshots.
Beiträge aus der damaligen Zeit.
Und die Berichte derjenigen, die das Projekt begleitet haben.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ETERNIA bis heute eine solche Faszination ausübt.
Viele Toylines werden vergessen, weil sie erfolglos waren.
ETERNIA wurde unvergesslich, weil sie nie die Chance bekam, erfolgreich zu sein.
Sie war eine komplette Vision, die nur für einen kurzen Moment sichtbar wurde.
Eine Toyline, die bereits existierte – und trotzdem beinahe aus der Geschichte verschwand.
Schlusswort
ETERNIA – The Adventures Continue ist ein einzigartiges Kapitel der Masters-of-the-Universe-Geschichte.
Nicht, weil hunderte Figuren erschienen sind, nicht, weil sie große Verkaufszahlen erreicht hat, sondern weil sie zeigt, wie weit die Leidenschaft von Fans gehen kann.
Eine kleine Gruppe von Menschen wollte eine verlorene Ära zurückbringen.
Sie entwickelte Figuren.
Sie plante Geschichten.
Sie erschuf eine neue Zukunft für Eternia.
Am Ende verhinderten rechtliche Probleme und das Eingreifen des Markeninhabers, dass diese Zukunft Wirklichkeit wurde.
Doch gerade durch dieses Scheitern wurde ETERNIA zu etwas Besonderem.
Aus einer geplanten Toyline wurde ein Mythos.
Aus Produkten wurden Relikte.
Und aus einer beinahe vergessenen Fanproduktion wurde ein faszinierendes Stück MOTU-Geschichte.
ETERNIA – The Adventures Continue
Die Rekonstruktion einer verlorenen Toyline.
